iHamburger BahnhofMoabit
Lina Lapelytė verwandelt die Historische Halle in eine vielstimmige Bühne für eine partizipative Choreografie.
„Das Gebäude riecht nach Holzspänen, noch bevor man einen einzigen Holzklotz gesehen hat“, schrieb Emily May in ArtReview. Im Inneren bedecken 400.000 Würfel aus Fichten- und Kiefernholz mit jeweils zehn Zentimetern Kantenlänge die 2.500 Quadratmeter große Historische Halle. Sie sind zu Türmen und Haufen aufgeschichtet oder liegen lose herum wie Trümmer.
Man darf die Klötze aufheben. Gemeinsam mit einer Gruppe von Sängerinnen und Sängern in Leinenkleidung und Arbeitshandschuhen bauen die Besucherinnen und Besucher die Landschaft immer wieder neu auf – die Mitwirkenden werfen dabei oft um, was das Publikum errichtet hat. Dienstags, donnerstags, freitags und samstags von 14 bis 17 Uhr singen sie Texte von 15 Dichterinnen und Dichtern, darunter Etel Adnan, Mahmoud Darwish und Ocean Vuong. In keinem anderen Raum Berlins kann ein Fremder in Arbeitshandschuhen deinen Turm umwerfen – und genau das gehört zur Kunst.
May fand die Arbeit meditativ, auch wenn sie ins Sentimentale kippen könne, wenn die Mitwirkenden auf die Gebilde steigen und „wie Propheten ein neues Evangelium verkünden“; überzeugender sei sie, wenn sie während des Bauens singen. Der Eintritt kostet 16 Euro (ermäßigt 8 Euro, unter 18 Jahren frei). Donnerstags ist bis 20 Uhr geöffnet. Die Arbeit ist bis November zu sehen.
Die Würfellandschaft
Von der anderen Seite der Historischen Halle blickt man über den Boden auf 400.000 zehn Zentimeter lange Fichten- und Kiefernwürfel, aufgetürmt zu Türmen, kolosseumartigen Ringen und Schutthaufen, die sich täglich verändern.
Die Sängerinnen und Sänger bei der Arbeit
Dienstag-, Donnerstag-, Freitag- und Samstagnachmittags bauen Mitwirkende in locker fallender Leinenkleidung und Arbeitshandschuhen die Gebilde ab und wieder auf, während sie ein Libretto aus Texten von 15 Dichterinnen und Dichtern singen.
„Dies ist ein Zauberspruch, um die Schleife anzuhalten“
Achte im Libretto auf diese Zeile von Bhanu Kapil, die ArtReview als mögliche Aussage zur Intention der Arbeit hervorhob.
Die Sitzbänke zum Zuhören
Zwischen den Klötzen stehen Bänke aus dem Architekturstudio von Mantas Peteraitis. Wer lieber sitzen und dem Chor zuhören möchte, statt selbst zu bauen, kann hier Platz nehmen.
Du suchst eine stille Halle mit Objekten, die man betrachtet: Hier wird gebaut, abgerissen und um dich herum gesungen.
Unter 18-Jährige haben freien Eintritt, und es gibt keine Vorgaben dazu, was man bauen darf; der Tagesspiegel beobachtete, wie ein achtjähriges Kind sofort mit dem Stapeln begann. Die Klötze haben scharfkantige Ränder, merkte ArtReview an.