iNeue NationalgalerieTiergarten
Rund 35 Werke aus der Sammlung von Dix, Höch und anderen über Berlin zwischen Krieg, Exzess, Armut und Emanzipation in den 1910er- und 1920er-Jahren.
Der Rundgang beginnt vor Kirchners Potsdamer Platz (1914). Umrundet man die Rückseite der Wand, verwandelt Oskar Nerlingers Berlin Stadtbahn (1930) die Stadtbahn in ein kühles, konstruktivistisches Gerüst aus Streben; davor läuft ein dreiminütiger Ausschnitt aus Fritz Langs Metropolis.
Die Ausstellung ist klein: 35 Werke auf 230 Quadratmetern in der linken Seitenhalle im Untergeschoss, gegliedert in drei Kapitel. Der schmale Korridor knickt im zweiten Kapitel um 90 Grad ab; dort stehen Otto Dix’ kriegsversehrte Kartenspieler den Armutsbildern von Otto Nagel und Ernest Neuschul gegenüber. An drei Hörstationen laufen Gedichte von Anita Berber, Mascha Kaléko und Erich Kästner.
Bernhard Schulz nannte die Ausstellung in Monopol klein, aber konzentriert und gehaltvoll. In den Beschriftungen entdeckte er eine zweite Erzählung: Die grellbunten Bilder wurden in West-Berlin gesammelt, die realistischen im Osten. Sein einziger Kritikpunkt: Es gibt keinen Katalog, nicht einmal eine Broschüre. Das Ausstellungsticket kostet 10 Euro (ermäßigt 5 Euro), der Eintritt ins gesamte Museum 20 Euro. Donnerstags ist bis 20 Uhr geöffnet.
Oskar Nerlinger, Berlin Stadtbahn (1930)
Auf der Rückseite der Kirchner-Wand wird die Stadtbahn zu einem kühlen, konstruktivistischen Gerüst aus Trägern.
Otto Dix, Die Skatspieler (1920)
Achte auf die kriegsversehrten Veteranen beim Kartenspiel: Das Elend, das der Erste Weltkrieg hinterließ, ist in bewusst greller Überzeichnung dargestellt.
Zwei Filme aus dem Jahr 1927
Ein dreiminütiger Ausschnitt aus Langs Metropolis eröffnet die Ausstellung. Ruttmanns Berlin: Die Sinfonie der Großstadt läuft um die 90-Grad-Biegung des Korridors herum.
Otto Dix, Bildnis der Tänzerin Anita Berber (1925)
Das Schlüsselbild des letzten Kapitels und die einzige Leihgabe der Ausstellung von außerhalb Berlins. In der Nähe tanzt Josephine Baker auf einem kleinen Monitor.
Lotte Laserstein, Abend über Potsdam (1930)
Das Schlussbild zeigt junge Menschen im Kreis von Freunden. Oft wird es so gelesen, als spürten sie die bevorstehende Diktatur voraus.
Du suchst einen umfassenden Überblick über die Kunst der Weimarer Republik: Zu sehen sind 35 Werke in einer Seitenhalle, Beckmann ist nicht vertreten.
Das Museum bietet passend zur Ausstellung einen offenen Workshop für Kinder und Familien an: „Open Studio: In the Glow of Berlin Nights, 1910–1930“ am Donnerstag, 5. November, um 16 Uhr.
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