iDeutsches Historisches MuseumMitte
Acht Jahrhunderte deutscher Vorstellungen von »Natur« und ihrer Politisierung: vom mittelalterlichen Glauben über nationalsozialistische Naturrechtsideologien bis hin zu den Umwelt- und Anti-Atomkraft-Bewegungen des 20. Jahrhunderts.
Eine Kopie einer Miniatur um 1175 zeigt Hildegard von Bingen an ihren Wachstafeln, fünf rote Flammen berühren ihre Stirn. Fünf Räume weiter sehen Sie Fernsehaufnahmen von 1966: Ein Belugawal ist den verschmutzten Rhein hinaufgeschwommen.
Dazwischen erzählen 24 Fallstudien und rund 250 Objekte von 800 Jahren deutscher Naturvorstellungen: ein Pfau aus dem Besitz der Fugger, ein Stück Eichenholz aus dem Tiergarten, eine ausgestopfte Wölfin als Sinnbild des Dreißigjährigen Kriegs. Die Biene Maja begegnet Ihnen als Roman von 1918 – lange bevor sie als Zeichentrickfigur über Ihren Kindheitsfernseher flimmerte. Für die NS-Zeit ist 1935 ein Schlüsseljahr: Damals wurden die Nürnberger Gesetze und das Reichsnaturschutzgesetz verabschiedet.
Monopol nannte die Ausstellung dicht und gut erzählt, H-Soz-Kult hielt sie für „sehr sehenswert“, bemängelte jedoch, dass der Umweltbewegung in der DDR wenig Raum gegeben werde. Der Kritiker des Tagesspiegel fand die Objekte zu konventionell präsentiert. Die Ausstellung befindet sich im ersten Obergeschoss des Pei-Baus. Der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 3,50 Euro; unter 18-Jährige haben freien Eintritt. Dienstags von 16 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr gibt es ruhige Zeiten ohne Gruppen.
Hildegards Flammen
Achten Sie auf die Kopie der Miniatur um 1175: Sie zeigt Hildegard von Bingen beim Schreiben auf Wachstafeln, während fünf rote Flammen der Inspiration ihre Stirn berühren.
Der Fugger-Pfau
Ein indischer Pfau mit schimmernd blauem Hals steht für den Reichtum der Augsburger Fugger und ihrer Gärten.
Der Behaim-Globus
Eine Kopie von Martin Behaims Globus aus dem Jahr 1492, auf Holz gemalt und mit Beschlägen aus Messing und Eisen versehen, zeigt eine Welt, auf der Amerika noch fehlt.
Die Eiche aus dem Tiergarten
Ein Querschnitt durch eine Eiche, die 150 Jahre lang im Berliner Tiergarten stand, hängt nahe einem Gemälde von Germania, gekrönt mit Eichenlaub.
Der Belugawal im Rhein
Fernsehaufnahmen von 1966 zeigen einen Belugawal, der sich den Rhein hinauf verirrte – einen so stark verschmutzten Fluss, dass das Wasser dem Tier schadete.
Sie suchen interaktive Angebote statt Vitrinen: Der Tagesspiegel fand die Tast- und Riechstationen eher zurückhaltend.
Unter 18-Jährige haben freien Eintritt. An multisensorischen Stationen mit Nachbildungen von Originalobjekten können Sie tasten, riechen und hören.
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