iMunich Documentation Centre for the History of National Socialism · Maxvorstadt
Ein Foto aus dem Jahr 1937, das 48 jüdische Kinder der dritten Klasse in München zeigt, steht am Ausgangspunkt einer Spurensuche nach ihrem Schicksal: Überleben, Flucht, Vertreibung und Verlust unter dem NS-Regime.
Vorschau: geschrieben vor der Eröffnung
1937 stellten sich 48 Kinder der dritten Klasse der jüdischen Volksschule in der Herzog-Rudolf-Straße in München mit ihrem Lehrer Ferdinand Kissinger im Schulhof auf. Es ist das letzte gemeinsame Foto der Klasse. Die Historikerin Kristina Milz fand es im Nachlass des Orientalisten Karl Süßheim, auf dem auch seine Tochter Margot zu sehen ist. Er hatte jedes Kind nummeriert und die Namen auf die Rückseite geschrieben.
Die Ausstellung folgt den Kindern über den Bildrand hinaus: Sie erzählt, wie sie überlebten, auf welchen Wegen sie flohen, was der Verlust ihrer Heimat für sie bedeutete und wie sie anderswo ankamen. Die von den Nationalsozialisten ermordeten Kinder sind als Leerstellen präsent. Recherchen von Studierenden der LMU ergaben, dass elf von Margots Mitschülerinnen und Mitschülern sowie Kissinger ermordet wurden; andere wurden im Ausland Anwälte, Wissenschaftler, Künstler und Diplomaten.
Ausgehend von einem Foto wird die Ausstellung zur Spurensuche nach dem Schicksal jedes einzelnen Gesichts darauf. Sie befindet sich im ersten Stock des NS-Dokumentationszentrums. Geöffnet ist sie dienstags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr; der Eintritt ist frei.
Das Klassenfoto von 1937
48 Kinder versammeln sich im Schulhof. Das Foto zeigt die ganze Klasse zum letzten Mal gemeinsam und bildet den Ausgangspunkt für alles Weitere in der Ausstellung.
Die Leerstellen
Achten Sie auf die Lücken, die die Kuratorinnen und Kuratoren anstelle der von den Nationalsozialisten ermordeten Kinder lassen. Sie machen deren Abwesenheit sichtbar, statt sie zu füllen.