Ausstellungszentrum Lokschuppen Rosenheim · Rosenheim, Deutschland
Studioaufnahmen, KI-Erzählung und offene Fragen in einem Guide
Wie der Lokschuppen Rosenheim die Hörgeschichten behielt, die er bei zehn Autorinnen und Autoren in Auftrag gegeben hatte, einen deutlich größeren Rundgang darum herum baute und die Besucher fragen ließ, was sie wollten.
Temporary exhibition · · 5 min read
3 von 4
der Fragen tippten oder sprachen die Besucher selbst, statt einen Vorschlag anzutippen
55 %
der Besuche waren aktiv, mit Fragen entlang des Rundgangs statt reinem Zuhören
45 Min.
durchschnittliche Nutzungsdauer des Guides
10
Hörgeschichten aus dem bisherigen Guide übernommen
In brief
Die Hörgeschichten, die das Museum bei zehn Autorinnen und Autoren in Auftrag gegeben hatte, darunter Bernhard Hennen, Theresa Hannig und Markus Heitz, blieben erhalten. Die KI erzählt die Stationen dazwischen und beantwortet Fragen.
Das Team des Lokschuppens hat die Inhalte selbst geprüft, Station für Station, über etwa eine Woche. Musa hat es dabei vollständig aus der Ferne unterstützt.
Ein gezeichneter Grundriss beider Ebenen zeigt den Besuchern, wo sie stehen und wo die nächste Station liegt.
Du hast eigentlich alles eingeben können. Weil mir zwischendurch mal was eingefallen ist oder ich Fragen hatte, so was, was jetzt nicht auf einer Tafel gestanden ist. Wenn man es nicht ganz verstanden hat, hat man es einfach nochmal erklärt bekommen.
Besucher der Ausstellung RÖMER im Instagram-Video des Lokschuppens
Pilot Musa at your museum.
A pilot runs on your own collection and content, the way it did at Ausstellungszentrum Lokschuppen Rosenheim, and takes weeks rather than a procurement cycle.
Das Ausstellungszentrum Lokschuppen in Rosenheim ist ein ehemaliger Lokomotivschuppen, der jeweils eine große Ausstellung zeigt und rund 200.000 Besucher im Jahr anzieht. Die aktuelle Schau, RÖMER, läuft von März 2026 bis August 2027 auf 1.500 m² und zwei Etagen: mehr als 1.200 Objekte von rund 30 Leihgebern, eine römische Stadt aus einer halben Million LEGO-Steinen, ein digitales Wagenrennen und eine Spielestraße zum Mitmachen, in der sich die Besucher hinsetzen und Rundmühle spielen.
Das Instagram-Video des Lokschuppens aus der ersten Woche: vier Besucher, mitten im Rundgang gefragt, wie sie mit dem Guide zurechtkommen. Mit englischen Untertiteln, für Ton auf das Lautsprechersymbol tippen.
Ausgangslage
Als RÖMER eröffnete, hatte der Lokschuppen bereits einen Audioguide. Für die Ausstellung hatte er zehn Autorinnen und Autoren, darunter die Fantasy-Autoren Bernhard Hennen und Markus Heitz und die Science-Fiction-Autorin Theresa Hannig, jeweils eine kurze Geschichte aus dem römischen Alltag schreiben lassen: ein Olivenbauer in der Baetica, eine Hebamme in Ephesos, ein Hilfssoldat am Limes, ein Töpfer in Pons Aeni am Inn, ein Tierkämpfer in Nordafrika. Die Figuren sind erfunden, die Funde um sie herum sind echt. Die Geschichten wurden im Studio auf Deutsch und Englisch aufgenommen und liefen auf Leihgeräten an nummerierten Stationen, jede mit einem Schwarz-Weiß-Porträt an der Wand.
Ein aufgezeichneter Guide deckt die Stationen ab, für die er aufgenommen wurde. Er kann keine Frage beantworten, für ein Kind keinen anderen Ton anschlagen und einer Besucherin aus Rosenheim nicht erzählen, wie das Römische Reich am Inn aussah, zehn Kilometer von der Stelle, an der sie gerade steht. Jede Erweiterung hätte für jede neue Station einen weiteren Studiotermin bedeutet, in jeder Sprache.
Die Geschichten wollte das Team dafür nicht aufgeben.
Vorgehen
Der Guide, der am 17. August 2026 an den Start ging, ist in drei Schichten aufgebaut.
Die Geschichten sind geblieben. Die zehn Hörgeschichten der Autorinnen und Autoren und der aufgenommene Gründungsmythos stehen genau so im Rundgang, wie sie produziert wurden, auf Deutsch und Englisch. Erreicht der Rundgang eine dieser Stationen, übergibt der Guide an die Aufnahme und macht danach weiter.
Den Rest erzählt die KI. Rund um diese Aufnahmen hat das Team des Lokschuppens in Musa Studio einen Hauptrundgang mit 29 Stationen und etwa 75 Minuten Dauer angelegt, auf Grundlage der Objektliste und der Texte des bisherigen Guides, des Ausstellungskatalogs und der Grundrisse. Zu jeder Station gibt es eine kurze Vorgabe, worauf es dort ankommt. So folgt die Erzählung den Vorgaben des Teams, auch wenn der Wortlaut generiert wird. Unter der Erzählung liegen sechzehn generierte Hintergrundklänge: Wölfe beim Gründungsmythos, ein Mittelmeerhafen, ein Mithräum, die Menge beim Wagenrennen. Erzählt wird auf Deutsch und Englisch, in denselben beiden Sprachen, in denen auch die Geschichten aufgenommen wurden.
Die Besucher können fragen. Jederzeit können sie eine Frage tippen oder sprechen oder einen der Vorschläge des Guides antippen. Die Antworten stammen aus dem Material der Ausstellung selbst, nicht aus dem offenen Internet.
Der Guide an der Station Hispania, von der Karte zur Erzählung und zurück. Das Porträt an der Wand zeigt Marcus Aemilius Ianuarius, einen Olivenbauern aus der Baetica, dessen aufgenommene Geschichte an dieser Station innerhalb des Rundgangs läuft. Foto: Axel Jusseit.
Wer nur zuhören möchte, bekommt einen Rundgang, der wie ein Audioguide klingt, mit den eigenen Aufnahmen des Museums dort, wo das Museum Aufnahmen gemacht hat. Wer wissen will, warum römische Münzen Löcher haben oder wie groß LOCDVNVM gewesen sein mag, kann fragen.
Wissen, wo man steht
Der Lokschuppen ist eine große Halle auf zwei Ebenen, und der Rundgang durch RÖMER wechselt zwischen ihnen. Die Orientierung war der häufigste Hinweis im Test durch die Mitarbeitenden: Der Guide schickte eine Person aus dem Testteam von der Spielestation direkt zur Tabula Peutingeriana, ohne die Treppe zu erwähnen.
Deshalb enthält der Guide einen gezeichneten Grundriss beider Ebenen, auf dem die Treppen als Verbindungen eingetragen sind. Jede Station ist darauf verortet. Die Besucher sehen, wo sie stehen, wo die nächste Station liegt und auf welcher Etage, und die Wegbeschreibungen in der Erzählung beziehen sich auf denselben Plan.
Dasselbe Gebäude zweimal: so, wie der Guide es zeichnet, mit ausgewählter Station und dem Etagenumschalter rechts, und von oben, als Halbrund um die alte Drehscheibe. Foto: Andreas Jakob.
Dieselbe Ausstellung für unterschiedliche Besucher
Zum Start stand der Hauptrundgang im Mittelpunkt. Dieselbe Wissensbasis trägt bereits fünf weitere Touren, die das Team in Studio kuratiert hat.
Felix, eine römische Katze in Toga, führt durch eine Familientour, die dem gedruckten Mosaik-Rätselheft folgt, das das Museum an der Kasse ausgibt: sechzehn Stationen, an jeder ein Mosaikstein, am Ende ein Bild.
Rom am Inn richtet sich an Menschen aus der Region. Rosenheim selbst war keine römische Stadt, und die Tour sagt das auch. Die Töpfereien in Pfaffenhofen, das Mithras-Heiligtum in Mühlthal wenige Kilometer vom Lokschuppen entfernt und das Tafelgeschirr aus Westerndorf, das bis ins heutige Polen exportiert wurde, waren dagegen römisch, und die Tour führt zu ihnen.
Eine Fassung des Hauptrundgangs in einfacher Sprache, mit kurzen Sätzen und einem Gedanken pro Satz, steht für Besucher bereit, denen lange Erzählungen schwerfallen. Zwei kürzere Themenrouten, zur römischen Religion und zu fünf Objekten, die die Archäologie bis heute nicht erklären kann, sind für Wiederkommende gedacht.
Die Tourauswahl. Zuerst der Hauptrundgang, daneben die Familientour mit Felix.
Ergebnisse
Vor dem Start hat der Lokschuppen die Inhalte selbst geprüft. Stefanie Kießling, die im Lokschuppen die Ausstellungspädagogik leitet, ist den Guide etwa eine Woche lang Station für Station abgegangen, wobei Musa die Arbeit vollständig aus der Ferne unterstützt hat. In der Woche vor dem Start machten sie und drei Kolleginnen und Kollegen einen vollständigen Testdurchlauf und schickten eine Seite mit Anmerkungen zurück: die fehlende Treppe, ein verwirrender Verweis auf „die Karte“, mit dem eine Seite im Kinderheft gemeint war, ein Abschnitt der Spielestraße, den der Guide noch nicht verstanden hatte, und die Aussprache von LOCDVNVM. All das war vor dem Start am Montag umgesetzt.
Alle drei Testerinnen und Tester bewerteten den Guide in jedem Punkt mit fünf von fünf und würden ihn weiterempfehlen. In den Bögen hoben sie die Hintergrundklänge hervor, die Stimme und ihre Aussprache und den Umgang des Guides mit „Darf ich das anfassen?“ und „Ich will das Lego klauen!“ Eine Person merkte an, dass die Fragen, die der Guide im ersten Raum aufwirft, am Ende der Ausstellung wieder aufgegriffen werden. Eine andere, dass der Rundgang eine Unterbrechung überstand: Nachdem sie die App zum Fotografieren verlassen und den QR-Code erneut gescannt hatte, ging es genau an derselben Station weiter.
Ihnen hat der musa-Guide insgesamt sehr gefallen. Besonders positiv wurde hervorgehoben, dass er
die Besucherinnen und Besucher kurzweilig durch die Ausstellung führt.
In den ersten vier Wochen verbrachten die Besucher im Schnitt 45 Minuten im Guide. Von den Besuchen, die über ein paar Interaktionen hinausgingen, waren 55 % aktiv statt passiv, mit Fragen entlang des Rundgangs. Drei von vier dieser Fragen hatten die Besucher selbst getippt oder gesprochen, statt einen Vorschlag auszuwählen, und neun von zehn konnte der Guide aus dem Material der Ausstellung beantworten. Darunter: was die Römer am meisten aßen, warum die Münzen Löcher haben, wer die LEGO-Stadt entworfen hat, ob es eigentlich Pax Romana oder Pax Augusta heißt. Ein Besucher fragte nach allem, was im Raum zu sehen war. Ein anderer fragte: „Welchen Bezug hat Rosenheim dazu?“
In der ersten Woche ging das Team des Lokschuppens mit einem Mikrofon in die Ausstellung und fragte Besucher mitten im Rundgang, wie es läuft.
Du hast eigentlich alles eingeben können. Weil mir zwischendurch mal was eingefallen ist oder ich
Fragen hatte, so was, was jetzt nicht auf einer Tafel gestanden ist. Wenn man es nicht ganz
verstanden hat, hat man es einfach nochmal erklärt bekommen.
Besucher der Ausstellung RÖMER im Instagram-Video des Lokschuppens
Ein anderer nannte ihn „ein super Guide zusätzlich, um durch die Ausstellung zu kommen“. Auf die Frage, ob sie ihn weiterempfehlen würden: „Ja, definitiv.“
Bezahlung
Die Besucher kaufen den Guide am Eingang auf ihrem Smartphone, zum Start für 3 €. Lokschuppen und Musa teilen sich die Einnahmen aus jedem Verkauf, sodass das Museum nichts vorab bezahlt. Der Preis wird in den kommenden Monaten angepasst, sobald beide Seiten sehen, wie die Besucher reagieren. Die Zahlung läuft derzeit über Musa. Als Nächstes soll der Guide im eigenen Ticketsystem des Lokschuppens verkauft werden, damit er sich im Webshop oder an der Kasse zu einem Eintrittsticket hinzubuchen lässt.
Die Aufnahmen, die Touren, die Karte und die Wissensbasis liegen im Musa-Studio-Konto des Lokschuppens. Wenn RÖMER im August 2027 schließt, kann der Lokschuppen den Guide für die nächste Ausstellung im selben Konto aufbauen.