iC/O BerlinCharlottenburg
After Nature Prize 26: Die Berliner Künstlerin Susanne Kriemann spürt an ehemaligen Uranabbaugebieten den Hinterlassenschaften des Atomzeitalters nach und setzt in ihrer Serie Pechblende (Fever) auf Autoradiografie.
Als der Boden von Susanne Kriemanns neuem Berliner Atelier aufgenommen wurde, füllte sich der Raum mit Schlacke. Ihr Geigerzähler schlug nicht an, doch die Schlacke roch nach Pferd; darin fanden sich Hufeisen und Schnallen. Heute dient sie als Pigment für Siebdrucke auf Papier, das aus den Hobelspänen der Dielen gefertigt ist. Die alten Fichtenbretter sind ebenfalls Teil der Inszenierung.
Im Zentrum steht Pechblende (Fever), eine Arbeit ohne Kamera: Uranerz wurde auf getrocknete Pflanzen von sanierten Abraumhalden des sächsischen und thüringischen Uranbergbaus gelegt und mindestens 14 Tage auf Film belichtet. Man betritt Räume, in denen einige wenige große, dunkle, von Adern durchzogene Drucke hängen. Kriemann sagt, zunächst werde man nicht wissen, worauf man blickt. Filmfotograf:innen, die am BER auf einer Handkontrolle bestehen, wollen genau das verhindern; Kriemann lädt dazu ein.
Hier geht es ums langsame Schauen, nicht um Atompilze. Tickets kosten 15 Euro, für Besucher:innen bis einschließlich 18 Jahre ist der Eintritt frei. Am Montag, 2. November, ist der Eintritt für alle frei. Deutschsprachige After-Work-Führungen mit Getränk finden am 22. Oktober, 19. November und 17. Dezember jeweils von 19 bis 21 Uhr statt.
Pechblende (Fever)
Achten Sie auf die von Adern durchzogenen Bilder auf stark vergrößertem Film: Sie entstanden, indem Uranerz ohne Kamera und ohne Licht über getrocknete Pflanzen aus ehemaligen Uranabbaugebieten gelegt wurde.
Die Dielen des Ateliers
Alte Fichtenbretter aus Kriemanns Berliner Atelier, als ortsspezifische Szenografie in die Inszenierung integriert – eine Antwort auf das Amerika Haus.
Die Schlackendrucke
Siebdrucke mit Pigment aus Schlacke, die unter den Dielen ausgegraben wurde. Gedruckt sind sie auf Papier, das Kriemann aus den Holzspänen hergestellt hat.
Der vergrabene Film
Unbelichteter Film, den Kriemann auf einer rekultivierten Abraumhalde eines Uranbergwerks nahe Dresden vergrub. Die noch im Boden vorhandene Strahlung hat ihn geprägt.
Wer das Atomzeitalter als Spektakel erleben möchte: Diese Strahlungsbilder sind still, abstrakt und ohne Kamera entstanden.
Der Eintritt ist für Besucher:innen bis einschließlich 18 Jahre frei.