iGetty Center · Brentwood
Anhand von Handschriften aus der Sammlung des Museums zeichnet die Ausstellung die vier handwerklichen Arbeitsschritte nach, aus denen ein mittelalterliches Buch entstand: das Vorbereiten des Pergaments, das Schreiben, das Malen und das Binden.
Der heilige Lukas sitzt am Schreibpult, eine Feder in der einen, ein Messer in der anderen Hand. So wurde er kurz nach 1053 im Irmengard-Codex gemalt. Mit dem Messer spitzte man die Feder, hielt das Pergament fest und kratzte Fehler weg – die mittelalterliche Löschtaste.
Die Ausstellung begleitet ein Buch durch vier Arbeitsschritte: Pergamentherstellung, Schreiben, Illustrieren und Binden. Die Werkzeuge sind jeweils neben den Handschriften zu sehen. Zu Beginn steht eine ganze Ziegenhaut, auf einen Holzrahmen gespannt, dazu das gebogene Halbmondmesser, mit dem man sie dünner schabte. Am Ende wartet eine deutsche Bibel, deren eiserner Haken einst dazu diente, sie an ein Bibliotheksregal zu ketten. Dazwischen begegnen Ihnen christliche Bücher aus Europa, Armenien und Äthiopien, ein mit Gold beschriebener Koran aus dem 9. Jahrhundert und ein jüdischer Pentateuch von 1296.
Der Eintritt ist mit einer Zeitreservierung frei. Die Ausstellung befindet sich im Untergeschoss des Museum West Pavilion; die Beschriftungen sind auf Englisch und Spanisch. Samstags ist das Getty bis 21 Uhr geöffnet. Am 24. November wird eine zweite Auswahl von Objekten gezeigt.
Der heilige Lukas, Irmengard-Codex
Halten Sie Ausschau nach dem Evangelisten an seinem Schreibpult, eine Feder in der einen und ein Messer in der anderen Hand. Über ihm hält sein geflügelter Ochse ein gebundenes Evangelienbuch.
Das unvollendete Blatt des Rohan-Meisters
Der Text ist geschrieben und das Gold aufgetragen, doch Figuren und Gebäude haben erst ihre erste Farbschicht: ein Gemälde, dessen Ausführung auf halbem Weg abgebrochen wurde.
Gebetbuch Karls des Kühnen, 1469
Der Schreiber zog die Ober- und Unterlängen seiner Buchstaben zu Ranken in den Seitenrändern aus, die sich in Tiere, Menschen und Mischwesen verwandeln.
Die angekettete Bibel, um 1450
Mit Leder bezogene Holzdeckel, Metallecken und zwei Schließen; am unteren Rand sitzt ein eiserner Haken, mit dem die Bibel einst an ein Bibliotheksregal gekettet war.
Ein nordafrikanischer Koran aus dem 9. Jahrhundert
Der arabische Text ist vollständig in Gold geschrieben – die Kalligrafie selbst bildet den Schmuck.
Sie interessieren sich mehr für fertige Gemälde als für den Entstehungsprozess: Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Herstellung von Büchern.